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ÜBER OL FISCHER UND SEINE ARBEITEN
OL FISCHER
lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Seit Anfang der 90er Jahre arbeitet er mit Karton – vorwiegend gebrauchter Wellpappe. Material, das Andere wegwerfen oder achtlos in Hauseingängen, Kellern, Hinterhöfen herumliegen lassen. Wellpappe hält alles – das weiß jeder, spätestens nach dem ersten Umzug. Aber wie sieht ihr Innenleben aus? Einmal die äußeren Schichten abreißen, das Material drehen und wenden, und es wird sichtbar. Wellpappe hat Transparenz, Stärke, eine einzigartig feste und doch leichte Struktur
Möglichkeiten, die nur freigelegt werden müssen. Wer sich auf Wellpappe einläßt, wird zum Baumeister. Und aus Hausmüll entsteht eine Skyline, aus Fensterdichtungen ein windgebürstetes Weizenfeld, aus Lagerbeständen buntes Treibgut. Und immer wird – wenn überhaupt – erst koloriert, dann zusammengesetzt. Pappe will gebaut werden, Geklecksel und Geschmiere im Nachhinein nimmt sie übel.


Wellpappe hat eine Million Perspektiven, weil sie irgendwie schon mal dagewesen, aber auch immer wieder neu ist: "Handle with care!"- "Achtung! Zerbrechlich!" – "Ouvrir de l´autre côté!" – "Dar la vuelta con cuidado." Die Innenseite des Materials gehört dem Künstler, die Außenseite ihren (Vor-)Besitzern. Und die Synthese aus Beidem herzustellen – das ist Arbeit für Jahrzehnte, eine Entdeckungsreise, ein Abenteuer.


Ol Fischers neuere Arbeiten, die "Mustertücher/Ornamente", bewegen sich durchgängig im Spannungsfeld zwischen strengen formalen Vorgaben und dem Eigenleben der Wellpappe - ihrem Drang, nachzuarbeiten, sich zu verändern. Die Muster werden aus Hunderten von Einzelteilen in Lagen neu konstruiert. Eine Arbeitsweise, die Ol Fischer seit Kurzem auch als Teil des Duos "Kolb & Radermacher" für das Projekt "Rapport" nutzt: Die Schichten bleiben lose und "wandern" – in Hunderten von Fotos festgehalten – durch fremdes Gebiet.


Was im Ursprung – in der Nadelarbeit – eine monotone Fingerübung gewesen sein mag, bekommt dabei durch das Sperrig-Müllige der Pappe, durch ihre Unwägbarkeiten ganz neue, fast anarchische Züge. Der Müllsammler wirft einen irren Blick in die bürgerliche Stube und setzt das Idyll aus Fetzen neu zusammen – zu eigenartig schiefen, beschädigten Konstruktionen.